Geschichtswerkstatt Ettlingen

Karl Springer: „Die Ettlinger Pulvermühle“

Mit Ergänzungen versehen als Beitrag aus der Geschichtswerkstatt Ettlingen

Abbildung 1 Karl Springer (1871 - 1950)

Bild: Stadtarchiv Ettlingen, 8/BS 27-11-011

Der Ettlinger Ehrenbürger Karl Springer, Weinhändler und Heimatforscher, veröffentlichte 1930 das Ergebnis seiner Nachforschungen zur Geschichte der Ettlinger Pulvermühle.

Im Verlauf meiner Arbeit an einem anderen Thema stieß ich im Stadtarchiv Ettlingen auf Material, das Springers Arbeit ergänzt. Auch möchte ich Ortsangaben, die für Springers einheimische Zeitgenossen ausreichten, aktualisieren und an die heutigen Gegebenheiten anpassen. So wird der ältere Einheimische wissen, was gemeint ist, wenn ich als gebürtiger Ettlinger einen Ort als „auf der Rückseite von, wo früher die Metzgerei Gutmann war“ beschreibe. Jüngere und vor allem Ortsfremde können aber damit nichts anfangen und auch nicht wissen, dass damit eine Stelle in der Quergasse gemeint ist. Natürlich ist damit zu rechnen, dass auch die heute passenden Ortsbeschreibungen „vergänglich“ sind, später einmal überholt sein werden und dann einer erneuten Aktualisierung bedürfen. Ergänzt habe ich Erläuterungen zu einigen Begriffen, die heute kaum mehr bekannt sind und nicht mehr verwendet werden.

Meine Ergänzungen sollen die Arbeit Springers wieder in wohlverdiente Erinnerung bringen! Welcher Bewohner der „Neuwiesen“, zum Beispiel der Damaschkestraße (siehe dazu Abb. 5, Kreis 1) ahnt, dass unter seinen Füßen einst eine Schießpulverfabrik stand, die im Laufe ihrer Geschichte sage und schreibe fast zehnmal in die Luft geflogen ist?!

Ettlingen, im August 2024

Werner Leibold

1) Das Städtische Schlachthaus lag zwischen Buhlstraße und der Alb, westlich der Straße „Im Albgrün“, das heute noch bestehende Haus Buhlstraße 13 gehörte dazu.

2) Vermutlich zwischen Scheffelstraße und der Alb, dort wo sich heute ein Spielplatz befindet.

3) Heute Wohnbezirk „Neuwiesen“ (Bereich Damaschkestraße)

4) 1810 waren dies nach heutiger Kaufkraft etwa 110.000 € (Äquivalente für 1803 liegen nicht vor)

5) „Salpeter“ (Kaliumnitrat) ist mit einem Anteil von 75 % Hauptbestandteil des Schwarzpulvers

6) Auch die Schmalholz´sche Mühle lag in den „Neuwiesen“, etwa zwischen Irenicusstraße und Hauffweg.

7) „Rute“: altes badisches Längenmaß, entsprechend 10 Fuß, 1 Fuß maß 30 cm, 1 Rute war also 3 m lang. Zwölf Quadratruten beinhalten also 12 x 3,0 x 3,0 = 108 Quadratmeter

8) „Gant“ heißt heute „Konkurs

9) „destruiert“: aus dem Französischen entlehnt für „zerstört

10) „Akkorde“= Vereinbarung

11) Standort der Ziegele siehe Abbildung 4

12) 100 Kreuzer sind 1 Gulden

13) „Amtsphysikus“ = Amtsarzt

14) „Gutleuthaus“ = Armenhaus

15) „Schmalholz´sche Mühle“ = östlicher Nachbar der Pulvermühle (siehe auch Abbildungen 1, 2 und 4)

16) Siehe auch Abbildung 6, Aufruf in der Zeitung zur Unterstützung der Hinterbliebenen

17) „Tochtermann“ klingt doch viel schöner als „Schwiegersohn

18) Eisenbahnlinie: Damit ist die 1844 eingeweihte Staatsbahnlinie von Karlsruhe via Ettlingen nach Rastatt gemeint. Die Albtalbahn war noch nicht gebaut.

19) „Rekurs“ = Widerspruch

20) Ankündigung der Versteigerung siehe Abbildung 3. Haug erhielt den Zuschlag für 10.200 Gulden (heute etwa 200.000 €) und erbaute später an der Stelle der Pulvermühle eine Stärkefabrik. Danach etablierte sich dort die „Feilenfabrik Kühn“, bevor Fa. Lorenz das Areal übernahm. Heute: siehe Abbildung 5

Abbildungen

Abbildung 2: Plan des Geometers Leussler vom Juli 1846

Quelle: Stadtarchiv Ettlingen, 8/KPS-190

Abbildung 3: Ausschnitt aus dem Plan des Geometers, selbst koloriert

Quelle: Stadtarchiv Ettlingen, 8/KPS-190

Abbildung 4: Ankündigung der Versteigerung

Quelle: Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Karlsruher Tagblatt vom 23.04.1856

Abbildung 5: Stärkefabrik der Gebürder Haug, Plan von etwa 1865, Ausschnitt aus dem Gemarkungsplan

Quelle: Stadtarchiv Ettlingen, 8/KPS - 867

Gut erkennbar sind südlich der Alb das Wohngebäude der Pulvermühle mit Remise. Südöstlich davon das Wohnhaus des Sägemüllers Schmalholz (auf dem Plan des Geometers als „Segmüller“ geschrieben), dessen Mühle samt Umgehungskanal wiederum nordöstlich jenseits der Alb am „Canal“ eingezeichnet ist.

Abbildung 6: Ungefähre Lage von Restauration und Mühlen

Quelle: Google Earth

  1. Pulvermühle

  2. Schmahlholz´sche Mühle (später Maschinenfabrik Ettlingen)

  3. Restauration (später Gasthaus „Fortuna“)

Abbildung 7: Annonce zur Unterstützung der Hinterbliebenen der Explosion der Pulvermühle Ettlingen

Quelle: Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Karlsruher Tagblatt vom 03.11.1854